Azoren 2017

Schon seit einigen Jahren verfolge ich die angebotenen Tauchreisen auf die Azoren. Bis ins Jahr 2016 musste man sehr große „Unannehmlichkeiten“ akzeptieren um an die guten Tauchgründe wie Princess Alice und Condor Bank weit im offenen Wasser zu kommen. Diese werden   mit großen Schlauchbooten angefahren. Im Hafen zieht man  seinen Anzug (7 mm sollten es schon sein) an. Die Anfahrt dauert dann trotz der sehr starken Motorisierung der Schlauchboote mindestens  3 Stunden. Wenn  entsprechender Seegang dazu kommt können das auch 4 Stunden werden. Am Tauchplatz angekommen, werden am Bug und Heck jeweils Taue mit einigen Kilo Blei angebracht und man hängt am Seil und kann die Mobulas oder Blauhaie beobachten, sofern man nicht den Blasenschwall der anderen Taucher vor der Maske hat. Nach einer Stunde Oberflächenpause erfolgt der 2. TG und dann geht es wieder 3 Stunden zurück. Also alles nicht sehr „bequem“. Das wollte ich mir nicht antun.

Seit dem Jahr 2017 bietet Pico Sport Lda. auf auf der Insel Pico die Möglichkeit einer „Kreuzfahrt“ an, also Übernachtung auf dem Boot und bei ruhiger See wird auch weit draussen im offenen Wasser übernachtet. Das hat den zusätzlichen Vorteil, daß man lange bevor die Schlauchboote kommen schon mit seinem ersten Tauchgang fertig ist. Es handelt sich allerdings um kein Safariboot wie man sie aus Ägypten kennt. Das lohnt sich auf den Azoren nicht, da  die Tauchsaison sich auf 3-4 Monate beschränkt. Unser Boot war eine 18 m Motoryacht die proWin pro nature Explorer Narobla 3. Die Yacht hat 3 Kabinen mit 2 x 2 Plätzen und 1 x 3 Plätzen also insgesamt Platz für 7 Personen. Mehr sollten es auch nicht sein. Frühstück und „Mittagessen“ wird auf dem Boot gereicht. Die Pantry  hat die Größe einer Wohnwagenküche, sodass das „Mittagessen“ aus kleinen Snacks besteht, was aber kein Problem darstellt. Abends wird im Hafen für die Nacht geankert und dann an Land in verschiedenen Lokalen zu Abend gegessen.

Wir hatten mit dem Wetter (letzte Augustwoche) großes Glück, kaum Seegang, sodass die Überfahrt nach Princess Alice ohne große Schaukelei möglich und auch die anderen Tauchplätze angenehm zu betauchen waren.

Auf Sicherheit wird sehr großer Wert gelegt. Jeder Taucher bekommt ein elektronisches Notruf- und Ortungssystem. Zudem hatten wir ein weiteres Boot als Backup. Die Strömungen sind teilweise extrem. Das Boot ankert über dem Unterwasserberg und es werden Leinen (20m lang) mit entsprechenden Bleigewichten Steuerbord und Backbord in der Bootsmitte und am Heck angebracht. Jeder Taucher erhält eine Sicherungsleine und klinkt sich an diesen Seilen ein. Die Strömungen schwanken extrem, sodass es angebracht ist auch bei einem kurzeitigen nachlassen der Strömung am Seil zu bleiben. Über den Tauchplatz wurde viel geschrieben, auch wir wurden nicht enttäuscht. Ich habe  mal 15-20 Mobulas gezählt, davor einen Barakudaschwarm mit mehreren hundert Tieren. Es darf aber  nicht verschwiegen werden, dass man auch mal 15 min. ins Blaue schaut und nichts sieht, bzw. die Tiere an der Sichtgrenze patrouillieren.

Die Tauchgänge mit den Blauhaien waren ein unvergessliches Erlebnis. Die Tiere haben keine Berührungsängste, kommen bis auf 50 cm heran und betrachten einen mit großem Interesse.

Es darf  nicht verschwiegen werden, dass im Hafen von Horta spanische Kutter liegen die jede Woche Tausende Blauhaie aus dem Wasser ziehen. Wenn das in dieser Geschwindigkeit weiter passiert wird man künftig an der Condor Bank wohl keine Blauhaie mehr sehen.

Die Doppelmoral der azorianischen Regionalpolitiker muss keiner verstehen. Für eine Genehmigung um mit Walen zu schnorcheln muss man  € 400,– abdrücken und  darf sich den Tieren max. auf 100 m nähern. Dagegen ist der Haifang ohne Einschränkungen genehmigt. Solange für Haifischflossen irrsinnige Summen bezahlt werden wird sich das nicht ändern.

Alles in allem kann man sagen -es hat sich gelohnt- und es ist eine sehr gute Alternative zu den anstrengenden Schlauchbootfahrten. Wer diese tollen Tiere noch sehen will sollte m.E. bald einen Aufenthalt auf den Azoren planen.

  

 

Text und Fotografie: Jürgen Steiner